joscha remus

 

KULTURSCHOCK RUMÄNIEN

Reise Know How Verlag, 2011
Taschenbuch
312 Seiten
Preis: 14,90 € D | 2. komplett aktualisierte Auflage
ISBN 13: 978-3-8317-21496-4
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  • Wer die Karpatenschönheit Rumänien bereist, wird sich von den gängigen Stereotypen schnell verabschieden. Denn außer dem Grafen Dracula hat das äußerst vielfältige Land noch weit mehr zu bieten. Während in abgeschiedenen Tälern uralte Traditionen gepflegt werden, ist das Schäferstündchen in den pulsierenden Städten längst abgeschafft. Rumänien ist ein Land zwischen den Zeiten. Auf dem Weg in die europäische Gemeinschaft werden die inneren Spannungen besonders deutlich. Der KulturSchock Rumänien beleuchtet die spannende Reise eines Landes, das seinen Weg sucht zwischen Flechtwaren und Hightech, zwischen Hochzeitsmärkten und Erotik-Messen.

    • Rom-Manie: Die stolzen Lateiner vom Rande Europas
    • Zeitlose Mythen: Berggeister, Ziegen und Bärentänze
    • Vom Delta und den Bergen: Wo die Uhren anders gehen
    Die Ceausescus: Geschichte selbst gebastelt oder die Manipulation des Wetterberichts
    • Die schöne Rumänin auf dem Laufsteg Europas
    • Die Erdbeerpflücker: Wohlstand aus der Fremde
    • Der Geschmack der Erde: Die Rückkehr der Deutschen
    • Traurige Hochzeiten und fröhliche Totenfeiern
    • Der Himmel des Mundes: Gaumenfreuden
    • Die tägliche Improvisation und die kleinen Geschäfte des Alltags
    • Das Leben – ein Tanz: von den schnellsten Blechbläsern der Welt


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  • „KulturSchock Rumänien“ ist kein klassischer Reiseführer. Statt Stadtplänen und Beschreibungen von Sehenswürdigkeiten enthält das handliche Buch eine detaillierte Einführung in die rumänische Kultur. Der potenzielle Rumänienreisende soll eine Orientierungshilfe für den fremden Alltag mit auf den Weg bekommen, soll Geschichte, Lebens- und Denkweise der Einheimischen kennenlernen und vor allem von all seinen Vorurteilen befreit werden.
     
    Der Autor Joscha Remus beweist dabei seine profunde Kenntnis des Landes und seiner Gepflogenheiten und schafft es dank zahlreicher eingestreuter Anekdoten, dass sich der Leser trotz einer Fülle von Fakten nicht zu langweilen beginnt. Nach in einem kurzen Kapitel mit geografischen Informationen bekommt der Leser zunächst einen recht ausführlichen Überblick über die Geschichte Rumäniens. Der Fokus liegt dabei vor allem auf der Entstehung Rumäniens als eigenständiger Staat und auf der Ära Ceauşescu. Diese Themen werden eingehend behandelt, dafür bleibt der Autor dem Leser leider eine Beschreibung der Geschehnisse zwischen 1500 und 1800 schuldig.
     
    Es folgt ein Blick auf Politik, Wirtschaft und Religion in der heutigen Gesellschaft Rumäniens. Auch vor heiklen Themen wird dabei nicht Halt gemacht, so ist beispielsweise ein ganzes Kapitel der „Kunst des Schmierens“ gewidmet.
     
    Das nächste Kapitel befasst sich mit den Minderheiten in Rumänien. Im Gegensatz zu anderen Autoren von Rumänien-Reiseführern erliegt Joscha Remus dabei aber nicht der Versuchung, die Geschichte der Deutschen in Rumänien zum Hauptthema seines Werkes zu machen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Remus selbst nicht aus Siebenbürgen stammt.
     
    Mit einer guten Prise Humor, aber immer mit einem liebevollen Blick beschreibt er in den folgenden Kapiteln die Eigenheiten der rumänischen Bevölkerung. Es geht um Rollenbilder, rumänischen Humor, den Stolz auf die Sprache und nicht zuletzt um die ambivalente Haltung der Rumänen zum jüngsten Erfolgszug der Marke Dracula. Hierbei sei ein für alle Mal festgestellt, dass die wahre Geschichte des Vlad Tepeş sich nicht in Transsylvanien abspielte, da der Vampir Fürst der Walachei war. Einem großen Teil der Rumänen ist das aber völlig gleichgültig, in Remus’ Worten: „Hauptsache – Dracula sells.
     
    Nach einem kurzen Kapitel zum rumänischen Bildungs-, Gesundheits-, und Sozialwesen gibt der Autor einen Überblick über die bildenden Künste, Theater, Literatur, Film und Musik in Rumänien. Das Buch schließt mit Kapiteln, die den rumänischen Alltag beschreiben. Hier findet der Leser auch die meisten praktischen Tipps, z.B. einen Hinweis auf die zahlreichen Schlaglöcher auf den rumänischen Straßen. Im Gegensatz zum allgemeinen Tenor warnt der Autor aber nicht im Besonderen vor der Kriminalität in osteuropäischen Ländern, im Gegenteil: „Rumänien ist im internationalen Vergleich ein sicheres Land. Kapitalverbrechen sind [...] sehr selten und auch die Bukarest-Statistiken der Autodiebstähle und Raubüberfälle liegen deutlich unter denen von Amsterdam oder Paris.“ Wieder ein weit verbreitetes Vorurteil beseitigt.
     
    Alles in allem enthält „KulturSchock Rumänien“ eine unheimlich große Anzahl von Daten und Fakten. Als erstes fallen dem Leser aber nicht, wie man etwa meinen könnte, Jahreszahlen oder Prozentsätze ins Auge, sondern die beeindruckenden Fotos, die der Autor größtenteils selbst auf seinen Reisen durch das Land gemacht hat. Sie zeigen vor allem die Menschen in Rumänien, vom völlig verrußten Arbeiter aus Kopisch über den Ziegenhirten aus dem Alttal bis zum IT-Experten in Hermannstadt. Außerdem wird der Text aufgelockert durch viele Infokästen, die interessante Anekdoten oder sogar kleine Interviews zum Thema enthalten. Immer wieder kommt dabei auch Nicu zu Wort. Nicu ist ein 73-jähriger „pensionierter Lehrer und Hobbysoziologe“ aus Bukarest, der in seiner Funktion als „Zeitzeuge“ vor allem über die Zeit der Diktatur unter Ceauşescu einige lustige Geschichten besteuert.
     
    Für den Leser, der dem Rumänischen nicht mächtig ist, gibt es bei wichtigen rumänischen Wörtern und Namen immer wieder Aussprachehilfen. Rumänische Orte, für die auch eine deutsche Bezeichnung existiert, werden allerdings – und das ist eine der wenigen Schwachstellen des Buches – nicht einheitlich entweder auf Deutsch oder auf Rumänisch angeführt. Der Autor wechselt häufig zwischen den Bezeichnungen, erklärt aber dabei beispielsweise nie ausdrücklich, dass es sich bei Hermannstadt und Sibiu um ein und dieselbe Stadt handelt. Etwas überraschend ist der häufige Wechsel in der Bezeichnung von Siebenbürgen. So sind beispielsweise in einem Absatz die IT-Spezialisten aus den Städten Siebenbürgens das Thema und im nächsten Absatz wird das einfache Leben der Bauern und Hirten in Transsylvanien beschrieben. Das kann den unkundigen Leser schon einmal verwirren.
     
    Trotzdem spricht das Buch gerade Menschen an, die sich bis dahin noch überhaupt nicht mit Rumänien auseinandergesetzt haben. Sie erhalten einen ersten Überblick über das Land, seine Sitten und Gebräuche und werden auf den dortigen Alltag vorbereitet. Einen kleinen Kulturschock werden sie aber wahrscheinlich doch erhalten, wenn sie schließlich nach Rumänien fahren, denn auch die ausführlichste Lektüre vorab kann die eigenen Erfahrungen nicht ersetzen.
    Angelika Stefan, Siebenbürgische Zeitung
     
    Rumänien und Osteuropa überhaupt werden zunehmend interessanter für westeuropäische Touristen. Dabei muss man aber über die notwendige Zeit verfügen, dieses Land kennenzulernen, es richtig zu „erwandern“. Auf einer schnellen Durchreise, also als „Instant-Tourist“ oder „Express-Tourist“ wird einem das nicht gelingen denn vieles von dem was Rumänien zu bieten hat und von dem, was charakteristisch für die hiesige Lebensweise ist, muss man selbst erleben. Dabei helfen einem sehr viel die Infos die die klassischen Reiseführer bieten.
     
    Wer darüber hinaus mehr wissen will und über Hintergründe und Entwicklungen informiert werden will, der kann in der „KulturSchock“-Reihe  vom Bielefelder „Reise Know-How Verlag“ das finden, was bei üblichen Reiseführern weggelassen wird oder eben zu kurz kommt. Joscha Remus (Jahrgang 1958) ist der Autor sowohl eines Reiseführers für Rumänien als auch des Rumänien-Bandes der „KulturSchocks“-Reihe. Da sein Vater Bukowinadeutscher ist, kann man in seinem Fall auch von einer familiären Bindung zu Rumänien sprechen. Während seines Aufenthalts bei der „Villa Hermani“ in Măgura konnten wir auch etwas über diesen Band und die damit verbundene Recherchearbeit erfahren.
     
    Das Buch ist für jene geschrieben, die ein Plus an Interesse für Rumänien aufweisen. Es gibt da  Kapitel wie zum Beispiel „Rumänisches Selbstverständnis“ „Der rumänische Alltag“ oder „Zu Gast in Rumänien“, die einen Ausländer über Besonderheiten in Kenntnis setzen und die ihm eventuelle Missverständnisse ersparen oder Erklärungen bieten für Details, die auf den ersten Blick überraschend und vielleicht auch sonderbar erscheinen. Einige Beispiele: In einem Blumenstrauß sollte nicht eine gerade Anzahl von Blumen geschenkt werden (außer als Trauer-Bekundung); „Prost!“ kommt als Trinkzuspruch nicht gut an; eine Frau erwartet, dass der Mann beim Betreten einer Gaststätte vorangeht.
     
    All dies und Vieles andere wird mit der notwendigen Dosis an Humor dargestellt und erklärt. Es gibt kurze Exkurse in die Geografie und Geschichte des Landes, einen Überblick des sozialen, religiösen und kulturellen Lebens, über die Minderheiten in Rumänien, wobei diese Kapitel nicht als wissenschaftliche Beiträge gedacht sind aber auch nicht in eine simple Vereinfachung abrutschen. Eingebaut werden Rückblenden eines Zeitzeugen (Nicu – ein Bukarester Lehrer im Ruhestand), die  so manche skurrile Seiten des kommunistischen Alltags aufleuchten lassen. So erfahren die Leser über manipulierte Wetterberichte, über die „Kent“-Zigaretten als inoffizielle Währung oder so manchen Witz aus der Ceaușescu-Zeit der die damaligen Zustände besser auf den Punkt bringt, als schwierige politische Diskurse oder soziologische Betrachtungen.
     
    Interviews mit Persönlichkeiten wie Mircea Cărtărescu oder das orthodoxe Kirchenoberhaupt Patriarch Daniel sind ebenfalls zu finden, wie auch Schlussfolgerungen der Treffen, die der Autor mit ganz verschiedenen Leuten (Bürgermeister, Journalisten, Roma, Models, Künstler und viele andere) hatte. Das ist auch eine der Stärken dieses Bandes (Taschenbuchformat, 312 Seiten) das mit vielen gut gewählten Fotos illustriert wird. Die meisten hat Joscha Remus selber auf seinen zahlreichen Fahrten und Aufenthalten im Land geschossen, wobei ihm sicherlich auch sein passables Rumänisch von großem Nutzen war. Wie auch im Falle des Reiseführers, so werden auch beim Kulturführer jedes zweite Jahr für Neuauflagen Aktualisierungen vorgenommen – „eine Sysiphus-Arbeit“ denn ständig ändern sich Kontaktadressen und andere kleine, aber wichtige Infos.
     
    Die Verkaufszahlen und Feedback sprechen für ein konstantes Interesse für die Reisedestination Rumänien. Dass auch kritische Ansätze nicht fehlen, ist ein Beleg für den unabhängigen und nicht bestellten Charakter dieses Führers, entstanden aus der Sicht eines Rumänien-Kenners, der sich aber keinem übertriebenen Lokalpatriotismus verpflichtet fühlt. Sicher gibt es bei der Vielfalt und der großen Menge von Informationen auch Details die „hiesige“ Leser in Frage stellen könnten. So z. B. wird Elias Canetti zu den „bedeutenden Vertretern des rumänischen künstlerischen Judentums“ hinzugefügt oder der „Deutsche Wirtschaftsclub Siebenbürgen“ gilt als Teil des Deutschen Forums. Interessant ist auch die Sichtweise des Autors der den Begriff „Rumäniendeutsche“ vermeidet und über „Die deutschen und österreichischen Minderheiten“ in Rumänien spricht.
     
     
    „Kulturschock Rumänien“ gehört nicht zu den pathetischen, an zu viel Nostalgie leidenden Heimatpublikationen, ist auch nicht Teil irgendeiner Werbekampagne. Anderseits ist der etwas reißerisch klingende Begriff „Kulturschock“ der Bücherreihe nicht wort-wörtlich zu nehmen. Rumänien ist ein EU-Staat und kein exotisches Land, wo westeuropäische Besucher mit Anpassungsproblemen zu rechnen haben. Aber Stereotype und Klischees gibt es noch zu viele, wie auch Imageprobleme im Ausland. Joscha Remus hat jedoch die unmittelbare, unvoreingenommene Annäherung an Land, Leute und ihr Leben gesucht, ist viel herumgereist und tut es weiterhin, sucht den Kontakt zu verschiedenen Gesellschaftskategorien, dokumentiert sich eingehend in den unterschiedlichsten Themenbereichen: von Politik bis Alltagssprache, von Kultur bis ungeschriebenen Verhaltensregeln . Was dabei entstand, liest sich leicht und kann sich auch sehen lassen.
    Ralf Sudrigian, Allgemeine Deutsche Zeitung
 
 
 
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